Credo

Jazz, Blues, afrokubanische und brasilianische Musik, europäische Klassik…all dies ist Teil meiner musikalischen Identität. Dies sind die wichtigsten (aber nicht die einzigen) Inspirationsquellen, aus denen ich schöpfe, um meine eigene musikalische Persönlichkeit zu entwickeln, im Pianistischen wie im Kompositorischen. Die verschiedensten musikalischen Traditionen faszinieren mich; und es ist mir egal, ob es sich dabei um klassische, folkloristische oder populäre Musik handelt: Sei es der Forró aus dem Nordosten Brasiliens, der Mbalax aus dem Senegal, kubanische Timba, afro-peruanische Musik, Latin Jazz aus New York oder die Kompositionen Béla Bartóks, all dies spricht mich unmittelbar an und ruft in mir den Wunsch hervor, mich mit dieser Musik zu beschäftigen, sie zu erlernen und zu spielen. Ich habe großen Respekt vor all diesen Traditionen und vor den Musikern, die sie tradieren und weiterentwickeln, aber ich beanspruche gleichzeitig für mich die künstlerische Freiheit, mich von diesen Traditionen inspirieren zu lassen, um eine neue Musik zu entwickeln, eine Musik, die sich durch kreative Neugier und den Willen zu unverfälschter Expressivität auszeichnet.

Ich habe meine musikalische Ausbildung im Alter von 6 Jahren mit klassischem Klavieruntericht begonnen, aber das Fundament meiner musikalischen Kultur ist der Jazz: Im Alter von 13 Jahren haben Alexander von Schlippenbach und Aki Takase mich in diese Musik eingeführt und genau in jenem Moment bin ich verrückt nach Musik geworden: Während mehrerer Jahre habe ich mich intensiv mit der gesamten Jazzgeschichte befaßt, im besonderen mit den Pianisten, welche sie nachhaltig beeinflußt haben. Meine musikalischen Wurzeln sind fest im Jazz verankert; ich begreife mich vor allem anderen als Jazzmusiker, wobei ich hinzufügen will, daß der Jazz für mich nicht nur eine musikalische Tradition, sondern vor allem eine künstlerische Einstellung ist, eine offene Geisteshaltung, die auf kreative Abenteuer aus ist und beständig versucht, das Unerhörte hörbar zu machen.

Die andere Dimension meiner musikalischen Identität, nämlich die Hinwendung zur Musik Lateinamerikas und Afrikas, hat sich während meiner Studienzeit an der Hochschule für Musik “Hanns Eisler” in Berlin entwickelt. Dort habe ich zum ersten Mal die Erfahrung gemacht, was es heißt, einen Tumbao auf dem Klavier zu spielen und sich in das polyrhythmische Netzwerk von Bass und Perkussion harmonisch einzufügen: eine wahrhaftige Offenbarung! Die Intensität und die Freude, die man bei dieser Musik empfindet, haben mich motiviert, mich intensiv mit der afrokubanischen Musik zu beschäftigen und soviel als möglich darüber zu lernen. Gleichzeitig bin ich mir dabei auch meiner musikalischen Affinität mit den Perkussionsinstrumenten bewußt geworden und habe mir seitdem vorgenommen, den perkussiven Aspekt meines Klavierspiels zu vertiefen (ohne dabei die anderen Seiten dieses Instrumentes zu vernachlässigen). Diese musikalische Affinität erklärt auch meine grenzenlose Neugier für jegliche Art von “Groove” und für die verschiedensten Perkussionstraditionen, sei es in Afrika (z.B. die Sabar-Ensembles im Senegal), Lateinamerika (z.B. die kubanische Rumba) oder anderswo.